Jagd

Ein Aspekt, der oft übersehen wird, ist das Nebenprodukt der Jagd

Jagd ist ein uraltes Handwerk und aufgrund teilweiser hoher Wilddichten in unserer stark menschlich überprägten Kulturlandschaft notwendig. Ein Aspekt, der jedoch oft übersehen wird, ist der Umgang mit einem Nebenprodukt der Jagd: dem Fell. Trotz der Tatsache, dass Felle hochwertiges und langlebiges Leder ergeben könnten, werden sie in vielen Fällen einfach entsorgt. Dies ist nicht nur eine Verschwendung von wertvollen Ressourcen, sondern auch ineffizient. Eine nachhaltige Strategie, die die Jagd und die Nutzung von Fellen in die Jagbewirtschaftung integriert, könnte nicht nur zur Reduzierung des Imports von fragwürdig hergestelltem Leder und von Abfall beitragen, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bringen.

Warum wird überhaupt gejagt?

Die Interaktion zwischen Wildtieren und dem Waldökosystem in Deutschland ist komplex und hat weitreichende Auswirkungen. Wildtiere, insbesondere Rehe und Hirsche, fressen häufig die Knospen junger Bäume. Bei zu hohen Wilddichten hat dies zur Folge, dass die jungen Bäume (vorwiegend Laubbäume) nicht mehr nachwachsen können, was die Regeneration des Waldes erheblich hemmt.

Seminarreihe
Seminarreihe zur vierten Bundeswaldinventur / Verbiss
YouTube
Bundeswaldinventur 2022
Forst Brandenburg

Unter anderem durch unsere industriell geprägte Landwirtschaft und dem Anbau von großflächigen Mais- oder Rapskulturen und milde Winter sind die Wildbestände teilweise stark angewachsen. So hat sich die Jagdstrecke beim Rehwild in den vergangenen 15 Jahren um ein Drittel erhöht.

Weiterführende Links: Jahresjagdstrecke Rehwild und Streckenlisten der deutschen Jagd

Die Wälder Deutschlands stehen durch die Folgen des Klimawandels und andere negative Umwelteinflüsse sowie die Art der Forstbewirtschaftung und die Anlage strukturarmer Monokulturforsten bereits unter massivem Druck. Dürre, Hitze, Borkenkäfer und andere Schadfaktoren haben großflächige Schäden verursacht.

Weiterführende Links: BMLEH und Naturwald Akademie

Waldbewirtschafter, Politiker und Medien sind sich darüber einig, dass der sogenannte Waldumbau von Nadelholz domminierten Forsten zu mehrschichtigen Laub- und Mischwäldern enorm wichtig ist um die Waldökosysteme zu erhalten. Die Erreichung dieses Ziels stellt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar.

Kommen zu den negativen Umwelteinflüssen zusätzlich überhöhte Wildbestände, wird dem Wald die Fähigkeit genommen, sich selbst zu regenerieren. Die natürlichen Schutzmechanismen sind geschwächt, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für weitere Schädigungen des Waldökosystems führt. Hier sind beispielsweise Pilze und Insekten oder Waldbrände zu nennen. Entstandene Schäden haben oft langfristige Folgen für die Bodenqualität, die Wasserverfügbarkeit und die gesamte Biodiversität des Waldes wodurch sich negative Effekte verstärken. Ein zeitgemäßes Wildmanagement, welches auf die natürliche Verjüngung der Wälder ausgerichtet ist, ist daher dringend erforderlich, um das Ökosystem bei der Regeneration zu unterstützen und um die Gefahr von großflächigen, langfristigen Schäden zu minimieren. Viele Waldbesitzende, Förster und Jäger nehmen diesen Auftrag an und Bejagen unser heimische Wild auf unterschiedliche Weise.

Insgesamt zeigt sich, dass ein ganzheitlicher Ansatz zur Bewirtschaftung und zum Schutz des Waldes notwendig ist. Dazu gehört nicht nur die Kontrolle der Wildtierbestände, sondern auch die sinnvolle Nutzung aller uns natürlich zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die Nutzung von Nebenprodukten wie Fellen, kann zudem ökonomische Vorteile bieten. Nur durch ein solches, integriertes Management kann der Wald in Deutschland nachhaltig gesichert und revitalisiert werden.